DFG project G:(GEPRIS)559580754

Ist hochintensive Aphasietelerehabilitation einer Wartegruppenkontrollbedingung (mit Routineversorgung) bei chronischer Aphasie nach Schlaganfall überlegen?

CoordinatorProfessorin Dr. Agnes Flöel
Grant period2026 -
Funding bodyDeutsche Forschungsgemeinschaft
 DFG
IdentifierG:(GEPRIS)559580754

Note: Nach einem Schlaganfall erleidet rund ein Fünftel der Betroffenen eine dauerhafte und persönlich stark belastende Einschränkung der Sprache, bekannt als chronische Aphasie. Eine Aphasie behindert den Ausdruck von Gedanken und Gefühlen und verringert die Unabhängigkeit im Alltag teils dramatisch. Zudem ist eine Aphasie ein zentraler Risikofaktor für soziale Isolation und Depression mit erhöhter Gefahr eines Suizids. Eine vollständige Heilung gibt es nicht. Vor wenigen Jahren bestätigte eine methodisch gut kontrollierte klinische Studie erstmals die Wirksamkeit hochintensiver Sprachtherapie in Präsenz (ESKOPA-TM) bei Menschen mit chronischer Aphasie. Für die Patient:innen besserte sich die verbale Kommunikation (Fremdbeurteilung durch systematische Verhaltensbeobachtung in alltagsnahen Situationen) und Lebensqualität (Selbstbericht) gegenüber einer Kontrollgruppe ohne intensive Sprachtherapie, wenn ESKOPA-TM drei Stunden täglich therapeutenbegleitet sowie zusätzlich eine Stunde täglich per Eigentraining über insgesamt drei Wochen durchgeführt wurde. Die Therapieeffekte hielten für mindestens sechs Monate nach der Intensivbehandlung an. Trotz dieses Wirksamkeitsnachweises ist die Versorgung mit in Präsenz durchgeführter intensiver Sprachtherapie bei chronischer Aphasie in Deutschland weiterhin unzureichend. Ein wesentlicher Grund hierfür ist die oft erheblich eingeschränkte Mobilität der Betroffenen, etwa wegen motorischer Beeinträchtigungen oder schlaganfallbedingter Fahruntauglichkeit. Ferner mangelt es gerade im ländlichen Raum an einer Verfügbarkeit ambulanter Sprachtherapie. Erste kleine Studien zeigen, dass eine als synchrone Teletherapie durchgeführte intensive Sprachtherapie (a) machbar ist, (b) bei Betroffenen eine sehr hohe Akzeptanz aufweist und (c) vergleichbare Verbesserungen wie eine Präsenzbehandlung erzielt. Die geplante assessorverblindete, konfirmatorische, randomisiert-kontrollierte klinische Studie der Phase III prüft bei Menschen mit chronischer Aphasie nach einem Schlaganfall die Überlegenheit einer Teleadaptierung von evidenzbasierter, hochintensiver, dreiwöchiger Sprachtherapie mit ESKOPA-TM (n=80, 10 Stunden wöchentliche Sprachtherapie) im Vergleich zu einer Wartelistenkontrollbedingung mit Routineversorgung (n=80, 0-2 Stunden wöchentliche Sprachtherapie) zur Förderung alltagsrelevanter verbaler Kommunikation (primäres Outcome). Erwartet werden nach intensiver Teletherapie im Vergleich zur Kontrollbedingung außerdem (a) Zugewinne bei der subjektiven Einschätzung des Therapieerfolgs, der Lebensqualität, der sozialen Teilhabe und des psychischen Wohlbefindens und (b) Fortschritte bei allgemeinen sprachlichen Leistungen in gängigen Testverfahren (sekundäre Outcomes). Bei positivem Ausgang werden die Studienergebnisse dazu beitragen, die Unterversorgung mit evidenzbasierter intensiver Sprachtherapie insbesondere von Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder aus ländlichen Räumen zu überwinden.
   

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 Record created 2026-10-07, last modified 2026-10-07



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